Sina, Juni 2018

Ich bin jetzt seit drei Monaten in Ghana und es gefällt mir jede Woche besser. Tatsächlich schmeckt auch das Essen immer besser, ich vermisse die deutschen Mahlzeiten bis jetzt überhaupt nicht. Allerdings ist mir Anfang Juni das Essen zum ersten Mal zum Verhängnis geworden und ich hatte einige Tage Magenprobleme, aber sonst wäre ein Aufenthalt in einem exotischen Land mit fremdem Essen ja auch gar nicht mehr so spannend.

Mitte Juni hatte der Heimleiter Geburtstag. Er hatte mir tagsüber gesagt, dass er seinen Geburtstag nie feiert, aber seine Frau, die Kinder und ich haben ihn natürlich nicht einfach so davon kommen lassen. Wir haben eine Miniüberraschungsparty gemacht, allerdings bezweifle ich, dass er sehr überrascht war, weil sich alle tagsüber verdächtig verhalten haben: die Kinder haben aufgehört zu reden, sobald er in der Nähe war, ich habe Tüten in mein Zimmer gebracht, ohne verraten zu wollen was drin ist…aber es war trotzdem lustig.

In diesem Monat war ich zweimal mit in der Kirche. Die meisten Menschen in Ghana sind Christen.
Die Heimleiterin und einige Kinder besuchen jeden Sonntag die Kirche, wo man immer sehr schick hingeht. Alle ziehen schöne Kleider an, häufig auch traditionelle Sachen. Zum Glück hatte mir die vorherige Volontärin ein Kleid geschenkt, das ihr selbst nicht passte, weil ich nicht wirklich kirchentaugliche Klamotten mitgebracht hatte.
Man muss bei den Gottesdiensten nicht pünktlich zu Beginn da sein und auch nicht bis zum Ende bleiben. Die Gottesdienste dauern um einiges länger als in Deutschland. Wir sind erst mittendrin gekommen und saßen bis zum Ende drei Stunden in der Kirche. Männer und Frauen sitzen getrennt und es wird viel gesungen und getanzt, generell herrscht eine sehr fröhliche Stimmung während des gesamten Gottesdienstes und am Ende gab es sogar noch Kleinigkeiten zu Essen. Die Predigten werden auf Twi gehalten, weshalb ich nicht viel verstanden habe, aber die Musik und die Menschen waren sehr unterhaltsam.
Einige Kinder gehen auch samstags zur Kirche. Dort werden Geschichten aus der Bibel untersucht und was man aus ihnen lernen kann. Das hat richtig Spaß gemacht, der Pastor hat Englisch gesprochen, sodass ich nicht außen vor war. Am Ende wollte er, dass ich für uns alle bete…ich weiß wirklich nicht, wie lange es her ist, dass ich überhaupt zum letzten Mal gebetet habe, aber ich habe mein Bestes gegeben und die Kinder meinten danach, ich war witzig, also war es hoffentlich ok.

Am 24. Juni haben wir eine kleine Privatklinik in Ashaiman besucht. Der Leiter Dr. Prince ist ein Freund des Heimleiters. In dieser Klinik werden vor allem die Menschen, die es sich nicht leisten können, in ein staatliches Krankenhaus zu gehen, kostengünstig behandelt. Momentan gibt es einen Raum für Frauen und einen für Männer mit jeweils 2 bis 3 Betten (ohne Laken, Kissen und Bettzeug), einen Geburtsraum, ein Labor und eine Apotheke. Dr. Prince möchte diese Klinik jedoch noch etwas erweitern, um die medizinische Versorgung zu optimieren.

Die Hälfte meines Aufenthaltes in Ghana ist jetzt schon vorbei und jede Woche wird mein Wortschatz in Twi etwas größer. Ich hoffe, die zweite Hälfte wird genauso toll.

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Kultur auf ganz besondere Weite entdecken Eindrücke unserer Freiwilligen aus dem »Anidaso House«

»Ein wahres Erlebnis« So schildert unsere Volontärin Sina ihre Eindrücke

April 2018

Hallo, ich bin Sina aus Soest und seit einem Monat lebe ich im Anidaso House. Dieses Haus wurde nur von Spendengeldern aus Europa vom Verein Anidaso Ghana e. V. im März 2016 offiziell eröffnet. Dabei handelt es sich um ein Kinderheim in Dawhenya, Ghana, wo ich insgesamt ein halbes Jahr verbringen werde.
Es ist allerdings kein typisches Waisenhaus, sondern eine große Familie. Alle Kinder (Waisen, Halbwaisen, Straßenkinder) gehen zur Schule und bleiben im Anidaso House, bis sie ihre Ausbildung bzw. ihr Studium abgeschlossen haben.
Ashaiman, der Ort, wo viele der Kinder ursprünglich herkommen, ist ein sozialer Brennpunkt Accras. Ashaiman liegt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur etwa 45 Minuten entfernt.

Meine Aufgaben hier beziehen sich zum Großteil auf die Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe aller Schulkinder, welche zwischen 5 und 16 Jahre alt sind. Aber ich bin auch für das Wecken der Kinder und Fertigmachen zur Schule verantwortlich.
Die Kinder sind von Anfang an sehr offen gewesen und haben mich sofort überall mit einbezogen, sodass meine Angst, vielleicht nicht gemocht zu werden, in dem Moment verflogen war, als ich zum ersten Mal das Haus betreten habe: Viele Kinder hatten mir zur Begrüßung Bilder gemalt und wollten mit mir meine Koffer auspacken.

Im Anidaso House gibt keine Angestellten, jedes Kind hat jeden Tag bestimmte Aufgaben zu erfüllen: das älteste Mädchen ist immer für das Essenkochen verantwortlich, die jüngeren Mädchen und Jungen wechseln sich mit Spülen ab und die älteren Jungen wischen den Boden und schlachten Hühner. Auch ihre Wäsche waschen die Kinder selbst, natürlich mit der Hand.

Anfang April kamen noch drei Besucher aus Deutschland ins Anidaso House. Ein- bis zweimal im Jahr kommt jemand vom Verein Anidaso, um vor Ort die notwendigen Dinge zu klären und den Alltag mit der Anidaso-Familie zu verbringen. Dann sind auch immer Ausflüge angesagt, die von Freunden und Bekannten der Vorstandsmitglieder finanziert werden.

Am 14. April sind wir gemeinschaftlich zuerst zu Decathlon gefahren, einem Sportcenter, um für die anstehende Regenzeit wasserdichte Jacken zu bestellen, denn in der Regenzeit gießt es wie aus Kübeln. Es war ein wahres Erlebnis, überhaupt erst einmal mit allen dorthin zu kommen. Es wurde ein sogenanntes Trotro bestellt (Kleinbus mit etwa 14 Sitzplätzen), in welches wir uns mit ca. 25 Personen gestapelt haben. Jeder hatte dabei noch ein Kind auf dem Schoß. Das hört sich erst einmal gefährlich an, ist aber völlig normal in Ghana. Und natürlich musste die Djambe auch noch mit hinein, schließlich wollten wir auf dem Weg Musik machen.

Anschließend sind wir in die Marina Mall nach Accra gefahren. Das ist ein Einkaufszentrum, in dem es auch europäische Dinge gibt, z. B. Rolltreppen und Fahrstühle. Viele der Kinder hatten Angst, sich auf die Rolltreppe zu stellen, weil sie es nicht kannten.
Als wir schließlich alle oben angekommen waren, gab es Saft, Reis, Pizza und Eis. Ein zehnjähriges Anidaso-Mädchen hat mich dann gefragt, ob ich mit ihr durch die Mall ziehe, wobei ich schnell begriffen habe, dass sie sich kein bisschen für die Läden interessiert. Stattdessen sind wir mit dem Fahrstuhl nach unten, mit der Rolltreppe nach oben und mit dem Fahrstuhl wieder runter, einfach weil sie es lustig fand.

Am 22. April waren wir gemeinschaftlich zum Schwimmen in einem Hotel mit Pool in Prampram. Mit Hilfe von Schwimmwesten habe ich versucht, einigen das Schwimmen beizubringen, da in Ghana längst nicht jeder schwimmen kann. Es wurde gemeinschaftlich im Poolrestaurant gegessen: Fried Rice, Plain Rice und Jollof (auch ein Reis mit spezieller Sauce), Salat, Chicken.

Im Anidaso House wird generell immer mit allen zusammen gegessen, manches Mal sind auch Nachbarskinder dabei. Das gilt auch für die Hausaufgaben und Studies.

Da das Anidaso House für ghanaische Verhältnisse luxuriös ist mit seinem großen Grundstück, den vielen Zimmern und sogar Wlan, habe ich das ursprüngliche Haus in Ashaiman ebenfalls besucht. Hierbei handelt es sich um ein Haus mit Innenhof und mehreren winzigen dunklen Zimmern und wenig Platz für so viele Leute. Hier wohnte die Anidaso-Familie bis Januar 2016 in drei kleinen Zimmern. Eine Dusche, eine Toilette und ein Spülstein im Hof gab es auch schon.

Die Menschen in Ghana sind sehr aufgeschlossen und freundlich. Wenn ich zu der Nachbarin gehe, an deren Shop ich vorbei komme, wenn ich die kleinen Kinder zur Schule zum Bus bringe und wieder abhole, wird mir meistens sofort eine Mahlzeit angeboten. Das Essen ist manchmal zwar scharf, aber unglaublich lecker, mein Leibgericht ist Red Red, das sind frittierte Kochbananen mit Bohnensauce.

Auch außerhalb des Kinderheims fühle ich mich wohl. Die Ghanaer sind nicht besonders aufdringlich, selbst wenn man als Frau alleine unterwegs ist und die Heiratsanträge, die ich bis jetzt bekommen habe, konnte ich immer mit Humor nehmen, weil die Leute wirklich nett sind.
Auch sonst ist Ghana ein wunderschönes Land. Insbesondere der Norden gefällt mir gut mit den Lehmdörfern. Sogar Elefanten habe ich schon gesehen und den Wli Fall, den größten Wasserfall Westafrikas.

Am 26. April wurde eine Abschiedsparty gefeiert, weil der Besuch am nächsten Tag wieder nach Deutschland gereist ist. Dabei gab es Eis, Softdrinks und jede Menge ghanaische Musik, zu der wir getanzt haben. Die Kinder hier haben die Musik wirklich im Blut, sie können super tanzen und tun dies auch gerne.

© 2021 Anidaso Ghana e.V.