Sina, Mai 2018

Ich bin jetzt seit 2 Monaten in Ghana und es gefällt mir hier sehr gut.
Jeden Morgen stehe ich um 5 Uhr auf und wecke die drei jüngsten Kinder (5 und 6 Jahre alt). Anschließend werden sie gebadet. Dann frühstücken wir zusammen, ziehen die Schuluniformen an und um 6:20 Uhr gehen wir zur Bushaltestelle.
Sobald die Kinder in der Schule sind, habe ich Freizeit, bis ich sie um 15:20 Uhr wieder abhole.
Manchmal lege ich mich dann nochmal schlafen, aber man kann in der Zeit auch gut nach Accra, Tema oder Ashaiman auf den Markt gehen oder Sightseeing machen. Aber meistens nutze ich die Zeit, um die Studies für die Kinder vorzubereiten.
Sobald die Kinder zu Hause sind und sich umgezogen und gegessen haben, mache ich mit ihnen Hausaufgaben und Studies, was bedeutet, dass ich mit ihnen lerne.
Gegen 19 Uhr gibt es Abendessen. Anschließend mache ich mit den Älteren Hausaufgaben und Studies.

Ende April ist eine ehemalige Jahresvolontärin zu Besuch gekommen. Sie wird bis Ende Juli bleiben. Anstatt Geschenke aus Deutschland mitzubringen, hat sie beschlossen, mit den Älteren ein Wochenende in Cape Coast zu verbringen, um ihnen die Geschichte Ghanas etwas näher zu bringen und mit den Jüngeren einen Tag nach Ada Foah an den Strand zu fahren und eine Bootstour zu machen.
Ich habe dann beschlossen, ebenfalls mitzufahren; man lernt ja nie aus.
Am 5. Mai morgens um 4 Uhr sind wir dann aufgestanden, um möglichst früh in Ashaiman zu sein, von wo aus man mit dem Trotro nach Cape Coast fahren kann. Die Fahrt dauerte in etwa 4 Stunden. Wir haben uns noch am selben Tag Cape Coast Castle und Elmina Castle angesehen. Beides sind ehemalige Sklavenburgen. Die Sklaven wurden dort gefangen gehalten, bis ein Schiff gekommen ist, um sie z. B. nach Amerika zum Arbeiten zu bringen.
Am nächsten Tag sind wir in den Kakum Nationalpark gefahren, Dort gibt es einen sogenannten Canopy Walk. Er besteht aus 7 Hängebrücken, welche von 11 bis 40 m Höhe durch die Bäume führen. Für Leute mit Höhenangst ist es nicht zu empfehlen, da die Brücken beim Darübergehen schwanken. Es wurde allerdings versichert, dass jede jeweils 2 Elefanten aushalten würde.
Auf dem Weg zurück nach Cape Coast haben wir noch einen Stopp im Hans Cottage Botel gemacht. Hier gibt es Krokodile, welche man, sofern sie sich an Land befinden, am Schwanz sogar anfassen darf. Wir hatten nicht so viel Glück, alle Krokodile waren im Wasser und wollten dort auch bleiben. Allerdings durften wir sie mit gefrorenem Hühnchen an einem Stock füttern.
Anschließend sind wir von Cape Coast aus wieder nach Dawhenya ins Anidaso-House gefahren.
Der Ausflug hat allen Spaß gemacht.

Am 19. Mai sind wir beiden Volontärinnen mit der Ehefrau des Heimleiters und einem Freund in ein Dorf in der Nähe von Dawhenya gefahren, um dort noch einige Spenden für kleinere Kinder zu verteilen. Es war interessant zu sehen, wie die Menschen in den ärmeren Dörfern leben. Alle sind so lieb und sie finden es toll, sich fotografieren zu lassen. Über die Spenden haben sich alle sehr gefreut.
Am 26. Mai haben wir uns mit den jüngeren Kindern auf den Weg gemacht, um einen Tag in Ada Foah zu verbringen. Mit dem Auto sind wir etwa eine Stunde gefahren. Ada Foah ist ein wunderschöner Ort direkt am Fluss Volta. Wir sind erst am Strand spazieren gegangen und haben dann eine kleine Bootstour unternommen. Eigentlich wollten wir auch noch an die Stelle, wo der Volta in den Ozean mündet, aber das hat aufgrund der Straßenverhältnisse leider nicht geklappt. Stattdessen sind wir dann an den Strand nach Prampram gefahren und haben Sandburgen gebaut und Fußball gespielt. Es war ein richtig schöner Ausflug.

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Kultur auf ganz besondere Weite entdecken Eindrücke unserer Freiwilligen aus dem »Anidaso House«

»Ein wahres Erlebnis« So schildert unsere Volontärin Sina ihre Eindrücke

April 2018

Hallo, ich bin Sina aus Soest und seit einem Monat lebe ich im Anidaso House. Dieses Haus wurde nur von Spendengeldern aus Europa vom Verein Anidaso Ghana e. V. im März 2016 offiziell eröffnet. Dabei handelt es sich um ein Kinderheim in Dawhenya, Ghana, wo ich insgesamt ein halbes Jahr verbringen werde.
Es ist allerdings kein typisches Waisenhaus, sondern eine große Familie. Alle Kinder (Waisen, Halbwaisen, Straßenkinder) gehen zur Schule und bleiben im Anidaso House, bis sie ihre Ausbildung bzw. ihr Studium abgeschlossen haben.
Ashaiman, der Ort, wo viele der Kinder ursprünglich herkommen, ist ein sozialer Brennpunkt Accras. Ashaiman liegt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur etwa 45 Minuten entfernt.

Meine Aufgaben hier beziehen sich zum Großteil auf die Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe aller Schulkinder, welche zwischen 5 und 16 Jahre alt sind. Aber ich bin auch für das Wecken der Kinder und Fertigmachen zur Schule verantwortlich.
Die Kinder sind von Anfang an sehr offen gewesen und haben mich sofort überall mit einbezogen, sodass meine Angst, vielleicht nicht gemocht zu werden, in dem Moment verflogen war, als ich zum ersten Mal das Haus betreten habe: Viele Kinder hatten mir zur Begrüßung Bilder gemalt und wollten mit mir meine Koffer auspacken.

Im Anidaso House gibt keine Angestellten, jedes Kind hat jeden Tag bestimmte Aufgaben zu erfüllen: das älteste Mädchen ist immer für das Essenkochen verantwortlich, die jüngeren Mädchen und Jungen wechseln sich mit Spülen ab und die älteren Jungen wischen den Boden und schlachten Hühner. Auch ihre Wäsche waschen die Kinder selbst, natürlich mit der Hand.

Anfang April kamen noch drei Besucher aus Deutschland ins Anidaso House. Ein- bis zweimal im Jahr kommt jemand vom Verein Anidaso, um vor Ort die notwendigen Dinge zu klären und den Alltag mit der Anidaso-Familie zu verbringen. Dann sind auch immer Ausflüge angesagt, die von Freunden und Bekannten der Vorstandsmitglieder finanziert werden.

Am 14. April sind wir gemeinschaftlich zuerst zu Decathlon gefahren, einem Sportcenter, um für die anstehende Regenzeit wasserdichte Jacken zu bestellen, denn in der Regenzeit gießt es wie aus Kübeln. Es war ein wahres Erlebnis, überhaupt erst einmal mit allen dorthin zu kommen. Es wurde ein sogenanntes Trotro bestellt (Kleinbus mit etwa 14 Sitzplätzen), in welches wir uns mit ca. 25 Personen gestapelt haben. Jeder hatte dabei noch ein Kind auf dem Schoß. Das hört sich erst einmal gefährlich an, ist aber völlig normal in Ghana. Und natürlich musste die Djambe auch noch mit hinein, schließlich wollten wir auf dem Weg Musik machen.

Anschließend sind wir in die Marina Mall nach Accra gefahren. Das ist ein Einkaufszentrum, in dem es auch europäische Dinge gibt, z. B. Rolltreppen und Fahrstühle. Viele der Kinder hatten Angst, sich auf die Rolltreppe zu stellen, weil sie es nicht kannten.
Als wir schließlich alle oben angekommen waren, gab es Saft, Reis, Pizza und Eis. Ein zehnjähriges Anidaso-Mädchen hat mich dann gefragt, ob ich mit ihr durch die Mall ziehe, wobei ich schnell begriffen habe, dass sie sich kein bisschen für die Läden interessiert. Stattdessen sind wir mit dem Fahrstuhl nach unten, mit der Rolltreppe nach oben und mit dem Fahrstuhl wieder runter, einfach weil sie es lustig fand.

Am 22. April waren wir gemeinschaftlich zum Schwimmen in einem Hotel mit Pool in Prampram. Mit Hilfe von Schwimmwesten habe ich versucht, einigen das Schwimmen beizubringen, da in Ghana längst nicht jeder schwimmen kann. Es wurde gemeinschaftlich im Poolrestaurant gegessen: Fried Rice, Plain Rice und Jollof (auch ein Reis mit spezieller Sauce), Salat, Chicken.

Im Anidaso House wird generell immer mit allen zusammen gegessen, manches Mal sind auch Nachbarskinder dabei. Das gilt auch für die Hausaufgaben und Studies.

Da das Anidaso House für ghanaische Verhältnisse luxuriös ist mit seinem großen Grundstück, den vielen Zimmern und sogar Wlan, habe ich das ursprüngliche Haus in Ashaiman ebenfalls besucht. Hierbei handelt es sich um ein Haus mit Innenhof und mehreren winzigen dunklen Zimmern und wenig Platz für so viele Leute. Hier wohnte die Anidaso-Familie bis Januar 2016 in drei kleinen Zimmern. Eine Dusche, eine Toilette und ein Spülstein im Hof gab es auch schon.

Die Menschen in Ghana sind sehr aufgeschlossen und freundlich. Wenn ich zu der Nachbarin gehe, an deren Shop ich vorbei komme, wenn ich die kleinen Kinder zur Schule zum Bus bringe und wieder abhole, wird mir meistens sofort eine Mahlzeit angeboten. Das Essen ist manchmal zwar scharf, aber unglaublich lecker, mein Leibgericht ist Red Red, das sind frittierte Kochbananen mit Bohnensauce.

Auch außerhalb des Kinderheims fühle ich mich wohl. Die Ghanaer sind nicht besonders aufdringlich, selbst wenn man als Frau alleine unterwegs ist und die Heiratsanträge, die ich bis jetzt bekommen habe, konnte ich immer mit Humor nehmen, weil die Leute wirklich nett sind.
Auch sonst ist Ghana ein wunderschönes Land. Insbesondere der Norden gefällt mir gut mit den Lehmdörfern. Sogar Elefanten habe ich schon gesehen und den Wli Fall, den größten Wasserfall Westafrikas.

Am 26. April wurde eine Abschiedsparty gefeiert, weil der Besuch am nächsten Tag wieder nach Deutschland gereist ist. Dabei gab es Eis, Softdrinks und jede Menge ghanaische Musik, zu der wir getanzt haben. Die Kinder hier haben die Musik wirklich im Blut, sie können super tanzen und tun dies auch gerne.

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